Matzenbäckerei: das Haus mit vielen Gesichtern

An der Vogelsangstrasse in Lengnau steht ein Haus, das seine Bestimmung im Laufe der Jahre immer wieder wandelte: 1813 von der jüdischen Gemeinde gebaut, diente es über die Jahre als Treffpunkt, Schulzimmer und spiritueller Ort. Hier versammelten sich die Vorsteher der Gemeinde, während tagsüber Kinder unterrichtet wurden. Im Keller befand sich die Mikwe, das rituelle Tauchbad der Jüdinnen und Juden.

Vom Schulhaus zur Backstube

Später bekam das Haus neue Aufgaben. Als für Schule und Mikwe eigene Gebäude gebaut wurden, diente das Haus zunächst als Wohnraum – und zwischen 1875 und 1910 auch als Matzenbäckerei. Samuel Daniel Guggenheim stellte hier die ungesäuerten Fladenbrote für das Pessach-Fest her. Die Matze erinnert an die Befreiung der Israelitinnen und Israeliten aus Ägypten – beim hastigen Aufbruch blieb keine Zeit, den Teig für die Brote gehen zu lassen.

Ein Ende – und ein neues Kapitel 

Nach 1910 diente das Gebäude wieder seinem ursprünglichen Zweck. Doch ab 1973 stand es leer, verfiel nach und nach und wurde 2013 schliesslich abgerissen. Heute steht an seiner Stelle ein Neubau. Die Geschichte des Ursprungs bleibt jedoch bis heute lebendig.

Mazzenbäckerei in Lengnau kurz vor Abbruch