Die Lengnauer Mikwe: einfach, aber traditionsreich

Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar, gleicht einem stillen Gartenhäuschen. Und doch war die Lengnauer Mikwe einst ein zentrales Element im religiösen Alltag – ein Ort der rituellen Reinigung, ausschliesslich für Frauen.

Der kompakte Bau mit rund 35 m² Grundfläche und markantem Walmdach erzählt bis heute still von gelebter Tradition.

Vom Ritualbad zum Abstellraum bis zur Sehenswürdigkeit

Bis 1923 diente die Lengnauer Mikwe ihrem ursprünglichen Zweck als rituelles Frauenbad. Drei Becken waren einst in Betrieb: zwei für die Wasseraufbereitung, eines für die eigentliche rituelle Reinigung. Der Eintritt kostete zwischen 15 und 75 Rappen – ein Betrag, der je nach Einkommen variierte und für die damalige Zeit nicht wenig war. Mit den Einnahmen wurden der Lohn des Abwarts, die Heizkosten und die Beleuchtung finanziert.

Nach 1923 geriet die Bedeutung der Mikwe langsam in Vergessenheit – das kleine Gebäude wurde zum Abstellraum und als einfacher Lagerschuppen genutzt.

Fenster zur Vergangenheit

Bevor die Mikwe 2014 behutsam restauriert wurde, untersuchte die Kantonsarchäologie den Bau sorgfältig. Die Grabungen förderten spannende Details zur ursprünglichen Wasserführung zutage: Ein Badeofen erwärmte das Wasser, das über Rohrleitungen ins 1,27 Meter tiefe Tauchbecken gelangte – dort wurde es auf eine angenehme Temperatur temperiert.

Seit 2015 steht die Mikwe unter Denkmalschutz, 2024 wurde sie von der Stiftung Doppeltür erworben. Heute mag sie kein Wasser mehr führen – doch als Zeitzeuge erzählt sie lebendig vom jüdischen Alltagsleben vergangener Jahrhunderte.

Mikwe Lengnau